Hegob-Weiche, ein längerer Baubericht

Aus Interesse habe ich mir eine Hegob-Weiche (Hegob) besorgt. Nachfolgend möchte ich den Bau einer Weiche berichten, da der Hersteller leider keine ordentliche Bilder oder Unterlagen auf seiner Seite bereitstellt. Einzig ein Baubericht eines Kunden für eine Spur-1-Bogenweiche ist aufzutreiben.

Was bekommt man als Bausatz einer EW-150-7,5 mit Kunststoff-Schwellen? Das:

Lieferumfang der Hegob-Weiche
Lieferumfang der Hegob-Weiche

Ich bitte die etwas schmuddelige Arbeitsplatte zu entschuldigen.

Vorbereitungen

Ausgepackt findet sich ein Schwellenplan auf zwei Seiten, ein Tütchen mit Schwellen, mehrere Tütchen Kleineisen (die Schienenbefestigung), eine Stellstange und ein paar kleine Ringe, die Radlenker, zwei lange gerade Schienenprofile und ein kurzes, ein fertiges Herzstück und als komplizierteste Teile die beiden fertigen Federzungen.

Bauteile der Hegob-Weiche Ausgepackt
Ausgepackt
Zungen Nahansicht
Die Zungen von nah
Herzstück der Hegob-Weiche
Das Herzstück in Nahansicht

Es fällt auf, dass die Futterstücke fehlen, das werde ich noch nacharbeiten.

Das Herzstück von unten

Im nächsten Bild ist das sind die Enden der Zungen zu sehen, die Befestigung der Stellmechanik ist schon angebaut:

Zungenspitze
Die Zungenspitze

Als nächstes habe ich den Plan zusammen gelegt:

Plan der Hegob-Weiche
Der Weichenplan passt nicht ganz

Das passt nicht! Auf dem Plan finden sich zwei Maße, die aber nicht zur Kopie passen. Wenn man die Zeichnung passend zusammen schiebt ist die Weiche 576 statt 587 mm lang.
Außerdem ist die Breite der Zeichnung zu groß, vermutlich eine Verkleinerung auf dem Fotokopierer. Ich werde mir einen neuen Schwellenplan machen. Vorher noch ein paar Bilder der Schwellen:

Schwellen der Hegob-Weiche
So werden die Schwellen geliefert

Links die Schwellen des Streckengleises, 2 Dreier-Stücke liegen bei.
Rechts Weichenschwellen. Es gib 6 Grundlängen, die an den Stegen entsprechend des „Plans“ zu kürzen sind.
Leider sind die Weichenschwellen teilweise recht krumm, also nach oben gewölbt.Man kann die aber recht beherzt gerade biegen. Scheinbar hat man die Materialdicken des Kunststoffs bei der Konstruktion nicht so gut bedacht und so werden die Schwellen dem Spritzguss folgendem Abkühlen krumm. Mal schauen, ob die die Biegung später Probleme machen wird.

Zum Sortieren hab ich die Schwellen ausgelegt:

Schwellen ausgelegt
Schwellen ausgelegt

Als nächstes habe ich mir einen neuen Schwellenplan für die Hegob-Weiche gezeichnet. Der Ausdruck ist auf DIN A4, also muss ich den Plan zusammenkleben. Dafür nehme ich mattes 3M-Tesa.

Plan zusammenkleben
Die Pläne zusammenkleben

Nun auf die Arbeitsplatte Teppichband kleben und zuschneiden. Tipp – überlappend kleben und mit dem Cutter passend schneiden, dann kann man den Keil sogar weiter verwenden.

Arbeitsplatte vorbereiten

Den Plan knitterfrei aufziehen und unter die Backenschienen dünnes doppelseitiges Klebband aus dem Künstlerbedarf aufbringen. Das hält später die Schwellen am Platz und mit einem Haartrockner erwärmt geht die Weiche einfach ab. Im Bild ist noch die Schutzfolie drauf, sonst sieht man das fast nicht.

Doppelseitiges Klebband
Der Weichenplan mit doppelseitigem Klebband

Die Schwellen der Hegob-Weiche haben an den Entlüftungen und am Anspritzkanal feine Häute, die man entfernen sollte, sonst liegen die Schwellen nicht plan. Gleichzeitig habe ich die gebogenen Schwellen mit sanfter Gewalt zwischen den Fingern gerichtet.

Richten der Schwellen
Richten der Schwellen

Vor dem Aufkleben habe ich die Schwellen nach der Größe sortiert, sonst passieren schnell Fehler.

Aufkleben der Schwellen
Die Weichenschwellen werden aufgeklebt

Mit einer feinen Säge und wenig Druck lassen sich die Schwellen passend ablängen. Aber lieber einmal zu viel Nachmessen, dransägen geht nicht.

Schwellen ablängen
Kürzen der Schwellen

Nun noch die Kleineisen sortieren:

Kleineisen Hegob-Weiche
Die unterschiedlichen Schienenbefestigungen

Montage der Hegob-Weiche

In folgenden Bild sind zwei Arbeitsschritte dargestellt. Die Radlenker möchte ich später von unten an die Schiene löten. Dazu entferne ich die Brünierung mit der Feile. Im Hintergrund sind schon einige Schienenstühlchen auf die gerade Backenschiene gefädelt.

Backenschien bearbeiten
Entfernen der Brünierung

Beim Bau ist mir aufgefallen, dass das Herzstück ein wenig nach hinten verschoben werden muss. Sonst passen die Absteckmaße nicht.

Als Nächstes werden die Schienenbefestigungen passend zu den Schwellen ausgerichtet. Nun ein Klebband geben Kleckern und eine Markierung, bis wo hin der Kleber auf die Schwellen kommt. Ich habe mal den Faller-Kleber Typ „expert“ probiert, der erstaunlich gut hält.

Markierung für Kleber
Klebband als Schutz

So sieht es ausgerichtet aus. Eine Kontrolle, ob das Gleis gerade liegt ist vor dem Kleben wichtig, sonst baut man eine Bogenweiche. Ich nehme dazu ein dünnes 500 mm Stahllineal.

Die ersten Schienenstühlchen kleben

Damit alles ordentlich verschweißt braucht es Druck! Auch so eine Art 3D-Druck.

Verkleben mit Druck
Mit etwas Druck auf den Kleber warten

Als nächstes habe ich mich heute um den Zungenbereich an der geraden Backenschiene gekümmert. Mit etwas Kleber werden die halben Schienenbefestigungen unter die Schiene geschoben.

Schienenstühlchen außen einer Hegob-Weiche
Die halben Schienenbefestigungen anbringen

Auf der Innenseite, wo die Zungen sind, kommen dann die Gleitplatten hin.

Gleitplatten der Hegob-Weiche montieren
Die Gleitplatten werden aufgeklebt

Während die geklebten Teile fixiert und angedrückt aushärten wollte ich mich um das Herzstück der Hegob-Weiche kümmern. Die Kleineisen sind schnell aufgeschoben (Schienenende vorher entgraten) und das Herzstück wird auf den Schwellen probegelegt. Oh, das liegt nicht plan! Ein Blick zeigt etwas verdrehte Profile auf der Endseite.

Verdrehte Schienen
Die etwas verdrehten Schienen

Mit sanfter Gewalt habe ich das gerichtet, doch das Herzstück liegt immer noch nicht plan. Ein Kontrollblick des Leiters der Lehrwerkstatt bietet dieses Bild:

Durchgebogenes Herzstück
Das Herzstück ist in Längsrichtung krumm

Das passiert schnell beim Löten. Die Lösung ist recht pragmatisch – gerade biegen. Wobei das nicht zur vollen Zufriedenheit gelingt, das Herzstück liegt zu hoch. Also habe ich unter dem Herzstück die Schwellen etwas mit dem Skalpell abgeschabt.

Herzstück passt nun
So passt das Herzstück

Vor dem Kleben schnell noch eine Kontrolle der wichtigsten Maße und ein Kontrolllauf mit einem Radsatz. Die Abstandshalter sind von Wenz und ja, die Zahlen sind spiegelverkehrt geätzt.

Probelauf Herzstück
Probelauf über das Herzstück

Sieht gut aus. Das Herzstück habe ich mit etwas 2K-Epoxy bestrichen und aufgepresst.

Als nächstes habe ich die erste Zunge montiert, und zwar die gebogene. Warum die? Weil ich die Weiche quasi von gerade nach gebogen baue, damit nachher alles passt. Mit einer Lehre könnte ich auch von außen nach innen bauen, aber die hat man erst mal nicht und man müsste die fräsen oder lasern.

Bevor es weitergeht noch ein Satz zu den bisher geäußerten Kritikpunkten an dem Bausatz: Ich finde die Bauteile für den Preis durchaus angemessen und gut gemacht und die kleinen Unzulänglichkeiten konnte ich bisher mit den üblichen Mitteln eines Bastlers beheben. Die Kritik ist vielmehr als Hinweis beim Nachbauen zu verstehen, dass man besser genau hinschaut und eventuell etwas korrigiert statt die Teile stumpf zu verarbeiten und dann enttäuscht auf eine krumme Weiche zu schauen.

Also weiter – die Zungen sind sandgestrahlt, was nach dem Löten gut ist und zur besseren Farbhaftung beiträgt. Auf der Unterseite habe ich die raue Oberfläche mit einer blauen Polierscheibe (Proxxon) mit ganz wenig Druck blank gemacht, damit die auf den schwarzen Gleitplatten im Vordergrund beim Umstellvorgang sauber gleiten.

Zunge polieren
Unterseite der Zungen polieren

Der Laufspiegel auf der Zungenoberseite ist auch blank poliert worden.

Dem Bausatz liegen Isolierschienenverbinder bei, durchaus sinnvoll, damit es am Herzstück keinen Kurzschluss gibt, wenn sich die Zungen mal etwas verschieben. Allerdings ist das Aussehen nicht so toll. Es ginge ja noch, wenn die Verbinder auf der Doppelschwelle lägen, das passte bei mir aber nicht hin. Mir ist nicht ganz klar, wie das gedacht ist – ich lasse die Verbinder darum einfach weg.

Isolierschienenverbinder
Probe der Isolierschienenverbinder

Jetzt Zunge fixieren, aufkleben und dann mit Holzklötzchen andrücken:

Verkleben der ersten Zunge
Fixieren der ersten Zunge

Noch ein Blick auf die Zungenspitze. Für den Antrieb gibt es an jeder Zunge einen Pin – dafür habe die Löcher gebohrt:

Löcher für Weichenantrieb
Löcher für den Weichenantrieb

Langsam wird die Weiche komplett. Im Wesentlichen wiederholen sich die Arbeitsschritte beim Aufkleben der Schienen, im nächsten Bild ist die gebogene Backenschiene aufgeklebt. Zu beachten ist, dass die Biegung schon vor der Herzstückspitze beginnt, die kleine Spurerweiterung macht dabei nichts. Wenn man das nicht so bauen würde gäbe es bei anliegender Zunge eine Spurverengung und das Rad könnte bei Spurkranzkontakt aufklettern.

Gebogene Backenschiene
Montage der gebogenen Backenschiene (im Bild unten)

Besser immer nachmessen:

Kontrolle Spurmaß
Besser immer nachmessen

Ein bisschen Optik muss auch sein, darum kommen an das Herz die kurzen Schienenbefestigungen:

Herzstückbefestigung
Kleineisen am Herzstück

Ich habe es wohl mit dem Kleber etwas zu gut gemeint. Na ja, was des Meisters Hand nicht ziert wird mit Spachtel zugeschmiert.

Zungenbereich
Fertiger Zungenbereich der Hegob-Weiche

So schaut der Stand im Ganzen aus:

Gesamtansicht Hegob-Weiche
Gesamtansicht

Wichtig ist neben dem Messen mit unterschiedlichen Radsätzen (im Bild Petau) zu kontrollieren. Das Einzelrad muss bei leichter Neigung sauber über die Weiche rollen. Dank des Sinuslaufs gelingt das bei einer korrekt gebauten Weiche problemlos. Ein altes O-Scale-Rad wollte nicht durchs Herzstück – Ursache ist ein Radsatzinnenmaß von 28,2 mm, es sollten mindestens 28,8 mm sein.

Jetzt fehlen noch die Profile am Ende, dabei muss man sich entscheiden, ob man die Schwellen kürzen oder verschachteln will. Hier mal die verschachtelte Variante.

Schwellen am Ende
Verschachteln der Schwellen

Die Schwellenanordnung kann man noch ändern, genau genommen gehört dieser Teil schon nicht mehr zur Weiche.

Ergänzungen an der Hegob-Weiche

Manche Dinge, die sonst achtlos weggeworfen werden, kann man prima zum Basteln benutzen. Meine letzten SIM-Karten musste ich aus Kreditkartengroßen Trägern herausbrechen, das Material landete in der Bastelkiste und wird jetzt recycelt zu Futterstücken im Herzstück und an den Radlenkern.

SIMcard bearbeiten
SIM-Karte wird verarbeitet

Ein Tropfen Sekundenkleber fixiert sie und später kommt noch Farbe drüber. Die Abmessungen habe ich nach Gefühl gemacht.

Futterstücke der Hegob-Weiche
Montierte Futterstücke

Um die Weiche vom Untergrund abzulösen habe ich das Klebband mit Isopropanol angelöst.

Jetzt konnte die Stellstange der Hegob-Weiche angebaut werden. Dazu musste ich die Löcher etwas aufbohren, 1,2mm sind es geworden. Stellstange aufstecken und dann zwei kleine Unterlegscheiben drauf.

Stellstange
Stellstange anbringen

Die Ringe habe ich mit etwas Lötöl und dem guten Bleilot angelötet.

Verlöten der Stellstange einer Hegob-Weiche
Sicherungsringe verlöten

So sieht die verlötete Stellstange aus:

Fertig montierte Stellstange der Hegob-Weiche
Verlötete Stellstange

Jetzt nach die elektrische Verbindung zwischen Backenschienen und den Zungen, erst zügig verzinnen mit Bleilot, 400 °C heißem Kolben und Lötöl als Flussmittel, damit die Kleineisen nicht schmelzen.

Hegob-Weiche verzinnen
Verzinnen der Lötstellen

Dann die verzinnten Brücken aus 0,75 mm^2 Litze anlöten. Die Brücken sind so gebogen, dass sie später im Schotter verschwinden.

Verbindungen anlöten
Kabelbrücken anlöten

Das Herzstück wird ebenfalls für die Polarisierung angeschlossen.

Herzstückpolarisierung der Hegob-Weiche
Kabel für Herzstückpolarisierung

Die Schnitte habe ich übrigens mit Sekundenkleber ausgefüllt, damit es bei Temperaturschwankungen oder nach dem Transport der Module nicht zu Kurzschlüssen kommt. Das sind bei Modultreffen die Fehler, die man unbedingt nach dem Aufbau braucht. Der überschüssige Kleber wird durch polieren entfernt:

Lücken geschlossen
Die Lücken sind verschlossen

Die Farbgebung der Weiche kommt erst nach dem Einbau. Nachfolgend noch ein Foto des verwendeten Werkzeugs:

Verwendetes Werkzeug für den Bau der Hegob-Weiche
Verwendetes Werkzeug in der Übersicht

Ich hoffe, dass die Anleitung zum Nachbau einer Hegob-Weiche ermuntert, über Feedback freue ich mich sehr. Falls es nicht so glatt läuft einfach fragen.

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