Brünierung von Kleinteilen aus Buntmetall

Was ist die Brünierung von Kleinteilen und wie macht man das?

Viele kleine Bauteile bestehen aus Buntmetall, wie Messing oder Neusilber. Das können sowohl Frästeile, geätzte Bleche oder Gussteile sein. Neben der Verarbeitung stellt sich die Frage nach der Farbgebung. Da viele Teile, wie Kupplungen oder Wasserpumpen, sehr feine Details haben birgt eine Lackierung die Gefahr feine Strukturen zu zudecken. Eine Alternative ist die Brünierung um Metalle dunkel zu färben.

Beim Brünieren wird durch einen chemischen Prozess eine dünne Umwandlung auf der Oberfläche des Bauteils bewirkt. Dazu wird das Teil meist in eine reaktionsfähige Lösung gebracht, im gewerblichen Bereich gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten. Bei den im Heimbereich anwendbaren Prozessen wird das Bauteil bei Raumtemperatur in eine Lösung, die Beize, getaucht oder diese wird aufgestrichen.

Das Brünieren ist vom Galvanisieren, beispielsweise Verchromen, zu unterscheiden, bei dem mit Hilfe von elektrischem Strom Beschichtungen aufgetragen werden.

Meine ersten Versuche mit der Brünierung von Kleinteilen waren wenig erfolgreich: Die Brünierung wurde fleckig, es dauerte ewig, bis sich eine dunkle Farbe einstellte, statt Schwarz wurde es Braun, die Brünierung hielt nicht.

Anleitung

Was braucht man zur Brünierung von Kleinteilen?

  • Einige beschriftbare und verschließbare Behälter
  • Einen Entfetter, z.B. Aceton oder Isopropanol
  • Etwas Essig 5% und Leitungswasser
  • Eine Brünierbeize, nach vielen Versuchen verwende ich Klever Schnellbrünierung von Ballistol
  • Ein Pflegeöl wie Ballistol Universalöl oder WD40
  • Pinzetten, Pinsel, Küchentücher, Handschuhe, Schutzbrille, Küchenpapier

Die Werkzeuge sollten aus Edelstahl sein und die Behälter aus Glas oder Kunststoff. Bevor man loslegt sollte man immer die Sicherheitsblätter der Chemikalien lesen, der Arbeitsplatz sollte freigeräumt werden und Schutzausrüstung angelegt werden – Chemie im Auge braucht keiner! Die Behälter sollten eindeutig beschriftet werden. Und natürlich nicht essen, trinken oder rauchen.

Zuerst müssen alle Anhaftungen (Lack, Kleber, Fett, Fingerabdrücke) vom Metall entfernt werden. Bei Gussteilen sollten das nur Fingerabdrücke sein, gegen diese hilft ein Bad in Entfetter (Aceton, Isopropanol). Bei hartnäckigen Anhaftungen hilft Sandstrahlen.

Entfetten
Gussteile warten im Entfetter

Angüsse und Grate sollten vorher entfernt werden. Ich lasse die versäuberten Teile mindestens 2h im Entfetter, ab und zu leicht schütteln. Aber auch ein paar Wochen machen nichts, denn so bleiben die Teile sauber.

Ab jetzt die Teile nur noch mit Pinzetten oder Zangen anfassen.

Die besten Erfahrungen habe ich mit Ballistol Klever Schnellbrünierung für Stahl(!) gemacht. Die Beize kann mit einem Pinsel aufgestrichen werden oder kleine Teile können getaucht werden, mit einem Pinsel Luftblasen entfernen. Es reichen wenige Sekunden Einwirkzeit, dann färbt sich das Material schwarz.

Pinselbrünierung
Mit einem Pinsel wird die Brünierung aufgetragen

Jetzt sofort raus aus der Brühe und überschüssige Beize auf einem Küchentuch abtropfen lassen.

Nun das Bauteil antrocknen lassen, so etwa 20-30 Minuten. Danach kurz in Essig legen, meiner Erfahrung nach hilft das gegen Grauschleier. Wieder etwas trocknen lassen und in Wasser spülen. Jetzt sollten die Teile gut trocknen. Die Brünierung ist in diesem Stadium noch nicht richtig fest und greift leicht ab, dagegen hilft ein Bad in einem Universalöl, z.B. Ballistol oder WD40. Die Bauteile ein paar Tage auch Küchenpapier an einem warmen ort liegen lassen, das Öl sollte danach trocken werden und die Bauteile wirken schon metallisch.

Fertiges Bauteil
Beispiel einer brünierten Bremshalterung

Noch ein paar Tipps

  • Vor dem Verkleben die Brünierung in Klebebereich mit Feile oder einem Schleifmittel entfernen
  • Besser nach der Brünierung von Kleinteilen löten, Weichlötzinn lässt sich nicht brünieren
  • Blanke Stellen kann man mit dem Pinsel vorsichtig nachbrünieren
  • Farbgebung mit Pigmentpulvern, das haftet gut auf dem Öl
  • Aus dem Kommentar von Michael: Gussteile können auf der Oberfläche Formrückstände haben, dagegen hilft säubern mit einer Messingbürste oder Sandstrahlen. Danke für den Hinweis.

 

Kommentare

  1. Michael Schumacher

    Super Anleitung!

    Ich habe nur eine kleine Anmerkung: Du schreibst, dass an Gussteilen nur Fingerbdrücke entfernt werden müssten. Ich habe dasGefühl, dass sich an vielen Messinggussteilen Anhaftungen des Formwachses befinden. Die meisten Teile werden ja in verlorenen Formen gegossen, die vorher mithilfe des Wachsausschmelzverfahrens hergestellt wurden. Das Wachs wird zwar gescholzen, aber es verschwindet vermutlich nicht vollständig. Nach meiner Erfahrung können gerade Gussteile eine Brünierung hartnäckig verweigern. Erst eine vorsichtige Behandlung mit einer Drahtbürste im Dremel bereitet die Oberfläche richtig vor.

    • Edward Edward

      Hallo Michael,
      stimmt, manchmal haben Gussteile Rückstände auf der Oberfläche, könnte gut sein, dass das aus der Form kommt. Ich vermute, dass das aus Silikonformen stammt, denn Wachs sollte sich eigentlich im Entfetter auflösen. Leichtes Sandstrahlen sollte die Rückstände auch entfernen.
      Danke für den Hinweis und das Lob!

      Edward

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